Lange bevor es zum Knurren oder Beißen kommt, wie in unserem Artikel über Aggressivität beschrieben, kommuniziert der Hund permanent seinen emotionalen Zustand über ein reiches Körpersprache-Vokabular, das jedoch von Menschen oft falsch gedeutet wird.

Die Beschwichtigungssignale (Calming Signals)

Diese dezenten Signale, die insbesondere von der Verhaltensforscherin Turid Rugaas beschrieben wurden, erlauben es dem Hund, eine Spannung zu entschärfen oder ein Unbehagen auszudrücken, ohne den Weg der Aggressivität zu gehen:

  • Das Lippenlecken außerhalb eines Fütterungskontexts
  • Das Gähnen außerhalb eines Müdigkeitskontexts
  • Das Abwenden von Blick oder Kopf
  • Erstarren oder die Bewegungen verlangsamen
  • Sich schütteln nach einer angespannten Interaktion, gleichsam um den angesammelten Stress "abzuschütteln"

Diese frühen Signale erkennen zu lernen, ermöglicht ein Eingreifen, bevor sich eine Situation verschärft — in direkter Fortsetzung dessen, was wir in unserem Artikel über den Umgang mit Aggressivität besprochen haben.

Die allgemeine Körperhaltung

Eine entspannte Haltung: Gewicht gleichmäßig auf allen vier Pfoten verteilt, geschmeidige Bewegungen, Rute in einer für die Rasse neutralen Position.

Eine angespannte Haltung: starrer Körper, Gewicht nach vorne verlagert (offensive Haltung) oder nach hinten (defensive Haltung), aufgestelltes Fell am Rücken.

Ohren und Rute: Indikatoren, die im Kontext zu betrachten sind

Entgegen einer allzu simplen Lesart müssen die Stellung der Ohren und der Rute stets im Zusammenhang mit dem Kontext und der jeweiligen Rassemorphologie interpretiert werden — eine wedelnde Rute bedeutet nicht zwangsläufig Freude, sie kann auch einen Zustand angespannter Erregung oder ängstlicher Unruhe begleiten.

Warum diese Fähigkeit im Alltag unverzichtbar ist

Ob es darum geht, eine Spannungssituation zwischen zwei Hunden zu antizipieren (siehe unseren Artikel über die Eingewöhnung eines neuen Hundes im Haushalt), den Stress eines Hundes im Wettkampf zu erkennen (siehe unseren Artikel über die Wettkampfvorbereitung) oder einfach den eigenen Hund im Alltag besser zu verstehen — das Lesen der Körpersprache bleibt eine übergreifende Fähigkeit, die die Qualität der Beziehung zwischen Hund und Halter direkt verbessert.

Eine Fähigkeit, die man erlernt und verfeinert

Entgegen einer manchmal überschätzten Intuition erfordert das feinfühlige Lesen der Hundekörpersprache echtes Erlernen — von Fachleuten kommentierte Videos anzuschauen, gezielte Schulungen zu besuchen oder schlicht den eigenen Hund aufmerksam in verschiedenen Situationen zu beobachten, ermöglicht es, diese wesentliche Fähigkeit schrittweise zu entwickeln.

Auch auf Deutsch verfügbar: geschirr oder Halsband: was je nach Verwendung wählen, der Clicker und die Werkzeuge der positiven Verstärkung und zecken und Parasiten: den aktiven Hund das ganze Jahr über schützen. Weitere Übersetzungen folgen nach und nach.