Der emblematische Hund der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Bernhardiner, verdankt seinen weltweiten Ruhm Barry, dem legendären Retter vom Grossen St. Bernhard. Hinter diesem gutmütigen Koloss mit dem sanften Blick verbirgt sich eine reiche Geschichte, zwischen Legende, aufkommender kynologischer Wissenschaft und ganz realer Rettungsarbeit.
Das Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard, Wiege des Rettungshundes
Das Hospiz auf dem Pass des Grossen St. Bernhard wurde bereits im 11. Jahrhundert gegründet. Im 18. Jahrhundert schafften sich die Mönche große Berghunde an, zunächst für Bewachung und Verteidigung — Dokumente von 1695 und 1707 belegen bereits ihre Anwesenheit. Ganz natürlich erhielten diese Hunde später eine zweite Aufgabe: die Rettung von Personen, die sich im Schnee und Nebel verirrt hatten, auf diesem Pass auf 2.469 Metern Höhe.
Die Legende von Barry
Unter diesen Hunden ist Barry von einer berühmten Legende umgeben: „Er rettete 40 Menschen, der 41. wurde ihm zum Verhängnis", eine Maxime, die auf der Stele zu seinen Ehren im Tierfriedhof von Asnières-sur-Seine (92) eingraviert ist. Derselben Legende zufolge soll ihn eines Nachts ein im Sturm verirrter Soldat Napoleons für einen Wolf gehalten und aus Panik getötet haben.
Die Realität hinter dem Mythos
Barry besaß tatsächliche Rettungsqualitäten, doch seine Lebensgeschichte wurde etwas romantisiert. In Wirklichkeit starb er im Alter von 14 Jahren in Bern, wo er seine letzten zwei Jahre verbracht hatte. Sein ausgestopfter Körper wird im Naturhistorischen Museum Bern in der Schweiz aufbewahrt und ausgestellt.
Barry im Naturhistorischen Museum Bern
Barry ist dort seit 1815 ausgestellt. Seine Präparation wurde ein Jahrhundert später verändert: in schlechtem Zustand, zeigte sie zudem eine Haltung, die als zu bescheiden für das Bild des mutigen Helden galt, das die Besucher erwarteten. Der Präparator Georg Ruprecht rekonstruierte Barry 1923 vollständig nach den damaligen Regeln der Kunst — stolzer und dem heute bekannten Bernhardiner treuer, mit authentisch gebliebenem Fell. Bis 2014 stand Barry in der Eingangshalle des Museums; anlässlich des 200. Jahrestags seines Todes widmete ihm dieses eine Dauerausstellung.
Die offizielle Geburt der Rasse
Das Schweizerische Hundestammbuch wurde im Februar 1884 eröffnet. Der erste in dieses nationale Register eingetragene Hund war der Bernhardiner Léon; die folgenden 28 Eintragungen betrafen ebenfalls Bernhardiner. Der Schweizerische Bernhardiner-Club wurde am 15. März 1884 in Basel gegründet. Anlässlich eines internationalen Kynologie-Kongresses am 2. Juni 1887 wurde der Bernhardiner offiziell als Rasse Schweizer Ursprungs anerkannt und sein Standard für verbindlich erklärt. Seither gilt der Bernhardiner als Schweizer Nationalhund und der legendäre Barry als Stammvater des Rettungshundes.
Körperliche Merkmale
- Größe: etwa 70 bis 90 cm Schulterhöhe bei Rüden, etwas weniger bei Hündinnen
- Gewicht: 64 bis 120 kg je nach Tier — eine der schwersten Rassen der Welt
- Fell: zwei anerkannte Varietäten, kurzhaarig und langhaarig
- Farbe: weiß mit rot bis rotbraunen Abzeichen (oder umgekehrt), symmetrische Gesichtszeichnung, oft eine dunkle Maske
- Silhouette: massiver Kopf, ausgeprägte Wamme, kräftiger Knochenbau, gemacht für die Arbeit im Gebirge
Wesen
Der Bernhardiner ist ein gutmütiger Riese: ruhig, geduldig und tief mit seiner Familie verbunden, auch mit Kindern. Wenig zu Aggressivität neigend, bleibt er dennoch allein durch seine Statur ein abschreckender Wachhund. Sein reichlicher Speichelfluss, bedingt durch die hängenden Lefzen und die Wamme, gehört fest zu seinem Charakter.
Berufe und Disziplinen
- Historischer Rettungshund: ursprüngliche Rolle auf dem Grossen St. Bernhard, Aufspüren verschütteter Personen im Schnee
- Familienbegleithund: heute weitaus überwiegender Einsatz
- Zug- und Arbeitshund: seine körperliche Kraft macht ihn zu einem guten Kandidaten für kontrolliertes Gewichtsziehen
- Ausstellungshund: emblematische Rasse bei Hundeausstellungen, besonders in der Schweiz
Gesundheit und Lebenserwartung
Lebenserwartung von nur 8 bis 10 Jahren, kurz wie bei den meisten Riesenrassen. Punkte, auf die zu achten ist:
- Hüft- und Ellbogendysplasie, aufgrund der Größe häufig
- Magendrehung, wegen einer tiefen Brust
- Herzprobleme, insbesondere die dilatative Kardiomyopathie
- Hitzeempfindlichkeit, bedingt durch die Felldicke und die Körpermasse
Arnold Fatio, eine unumgängliche Referenz
Wie könnte man diese schweizerische kynologische Rückschau abschließen, ohne an Arnold Fatio zu denken, jenen großen Ausbilder und Visionär? Sein Werk, eine wahre Bibel für das Verständnis des Hundes, bleibt eine Referenz, die jedem jungen Enthusiasten, der sich ins Hundeabenteuer stürzt, zu empfehlen ist.
Auch auf Deutsch verfügbar: geschirr oder Halsband: was je nach Verwendung wählen, der Clicker und die Werkzeuge der positiven Verstärkung und zecken und Parasiten: den aktiven Hund das ganze Jahr über schützen. Weitere Übersetzungen folgen nach und nach.